Der Einfluss des elterlichen Verhaltens

Die meisten Eltern sind der Meinung, dass sie alle Kinder gleich gern haben und auch alle gleich behandeln. Würden sie sich ganz genau beobachten, so könnten sie wahrscheinlich erkennen, dass sie doch kleine Unterschiede machen. Bei einem Kind sind sie vielleicht mal strenger, bei dem anderen nachsichtiger, ein Kind ist mehr der Liebling der Mutter, das andere des Vaters. Die Kinder spüren natürlich die ungleiche Behandlung und reagieren darauf. Dann ziehen die Erwachsenen unter Umständen den Schluss daraus, das sei eine besondere Eigenart des (rebellierenden!) Kindes. Um allen Kindern gleichmäßig gerecht zu werden, brauchen Eltern ein waches Einfühlungsvermögen und Verständnis. Sie müssen die bestimmten Positionen innerhalb der Geschwisterreihe berücksichtigen und sich in die spezielle Lage jedes Kindes einzufühlen versuchen. Wenn sie gezielt für jedes Kind besondere Wünsche bei bestimmten Gelegenheiten erfüllen, kann die gelegentliche Bevorzugung des einen oder anderen Kindes auf Dauer ausgeglichen werden. Nur selten wird das Erstgeborene das nachkommende Kind problemlos aufnehmen.
Es muss jetzt plötzlich die bisher ganz auf sich konzentrierte Liebe der Eltern mit einem Bruder oder einer Schwester teilen, Mutter und Vater können ihm nicht mehr so viel Zeit widmen. Es ist also verständlich, dass das Kind auf diese Entthronung eifersüchtig und vielleicht sogar aggressiv reagiert. Diese Eifersucht kann man nicht nur mit hohen Worten bekämpfen. Es genügt auch nicht, dass sich beispielsweise der Vater nun intensiver um das älteste Kind kümmert, weil es sich von der Mutter abgeschoben fühlt. Appelle an Einsicht und Vernunft nützen wenig – auch erwachsene können in Gefühlsdingen oft schwer “vernünftig” handeln. Was sollten sie also tun? Lassen sie ihrem Kind Zeit, sich an den Neuankömmling zu gewöhnen. Bestätigen sie es von nun an besonders in seinen Fähigkeiten, die es aufgrund seines Altersvorsprungs bereits erworben hat, loben sie es noch ein bisschen mehr! Verlangen sie aber nicht durchgehend eine “reife” oder “vernünftige” Haltung und machen sie es nicht zum Babysitter für das jüngere Kind. Geben sie ihm viele altersgemäße Betätigungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Es darf z.B. mit anderen Kindern spielen, seine Freunde mit nach Hause bringen usw. Mit dem jüngeren Kind spielt es überwiegend nur dann, wenn es Lust dazu hat. Keinesfalls soll es gezwungen werden, sein Spielzeug an das jüngere abzugeben. Bei einem Altersunterschied von eindreiviertel bis dreieinhalb Jahren sind Konkurrenz und Eifersucht stark ausgeprägt.

Das jüngste Kind wird später meist kontaktfreudig, heiter und selbstsicher sein. Wenn es zu sehr verwöhnt wird. Neigt es dazu, kindlich zu bleiben, auf den selbstverständlichen Zuspruch durch andere zu warten und Scheu vor Verantwortung und Eigeninitiative zu haben. Bitten sie ihr Umgebung darum, das Nesthäkchen nicht zu sehr zu verwöhnen und bei ihm nicht auch noch die Unarten niedlich zu finden. Schützen sie ihr Jüngstes aber vor Herabsetzung durch seine älteren Geschwister. Wenn es sich zu oft unterlegen fühlen muss, wird es keine Selbstsicherheit entwickeln. Es überdeckt seine Minderwertigkeitsgefühle dann später mit Angeben und leichtsinnigen Handlungen. Unterstützen sie die Kontakte mit gleichaltrigen Freunden. Das mittlere Kind kann aufgrund seiner Mittelstellung keine besonderen Vorteile aus einer Rolle beziehen. Es ist weder das überlegene ältere Kind noch das “süße” jüngste.

Deshalb sollten sie es besonders beachten. Ohne ihre besondere Anerkennung und Unterstützung lebt es in einer ausgesprochen ungünstigen Position, es hat schwierige Jahre vor sich. Vielleicht können sie eine spezielle Begabung bei ihm entdecken, die gefördert wird und ihm Lob und Anerkennung bringt. Das hebt sein Selbstwertgefühl und verleiht ihm eine besondere Rolle. So vermeiden sie, dass es ständig nach beiden Seiten hin rivalisiert und seine Rolle ständig wechseln muss. In seiner Zwickmühle ist für das mittlere Kind der Kontakt zu gleichaltrigen Freunden besonders wichtig. Laden sie jedoch die Spielkameraden möglichst oft zu sich ein, damit sich ihr Kind nicht abgeschoben fühlt.

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