Die klassische Familie: Vom Aussterben bedroht?

Wie jetzt eine Studie des Statistischen Bundesamts hervorgehoben hat, gibt es in der deutschen Bevölkerung immer mehr alternative Familienformen. Traditionelle Familien mit zusammenlebenden Müttern und Vätern dominieren nach wie vor, jedoch stieg die Zahl der Alleinerziehenden in den letzten 14 Jahren um 37 Prozent. Die Anzahl der Sorgerechtsstreitigkeiten und Scheidungen wächst. Häufig werden Scheidungsverfahren ohne Rücksicht auf die Kinder ausgetragen, die unter den neu entstandenen Spannungen leiden.

Momentan wachsen rund 25 Prozent der deutschen Jugendlichen nicht in der klassischen Familie, sondern in Single-Haushalten oder in neuen Lebensgemeinschaften ihrer Väter und Mütter auf. Die wirtschaftliche Lage von Alleinerziehenden ist politisch stark in der Diskussion. Eine beunruhigende Tatsache ist, dass jede zweite alleinerziehende Mutter in Deutschland von Hartz IV lebt. Die Gesetzesregelung des SGB II sieht vor, dass Kinder in Patchwork-Familien ebenfalls zur Bedarfsgemeinschaft des “neuen” Elternteils gehören. Das Einkommen eines neuen Partners bestimmt, ob weiterhin ALG 2 Leistungen für die Kinder gezahlt werden dürfen. Die neue Familienministerin Kristina Köhler will sich nun darum bemühen, Alleinerziehende mit besseren Hilfsmaßnahmen zu stützen. Kritisiert wird die Familienpolitik der Koalition dafür, dass vor allem traditionelle Paare mit Kindern von staatlichen Zuschüssen profitieren. Ein positiver Trend in diesem Zusammenhang ist, dass immer mehr Väter das Elterngeld in Anspruch nehmen, um für zwei Monate aus dem Beruf auszutreten und sich der Kindererziehung zu widmen. Es liegt jetzt an Köhler, auch Alleinerziehende bei der Arbeitssuche zu fördern und den Kinderfreibetrag zu überdenken. Laut dem Familienreport des Ministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend ist den Deutschen die Familie nach wie vor wichtiger als Beruf oder Hobbys.

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