Archive

Posts Tagged ‘Einzelkind’

Die Eltern als Mitspieler und Spiellehrer

Oktober 23rd, 2009 No comments

Manche Eltern sind unsicher, wie sie sich beim spielen verhalten sollen: Ist es besser, ein Kind beim Spielen nicht zu stören oder soll man sich lieber dazusetzen und mit ihm spielen? Sie befürchten, dass sie ihr Kind vielleicht verwöhnen oder es abhängig von sich machen. Diese Angst ist unbegründet. Ohne Unterstützung und Anleitung durch Erwachsene kann ein Kind kaum richtig spielen lernen. Das Spiel hat zwei sich ergänzende Seiten: In ihm drückt sich die spontane Aktivität des Kindes aus, die aber, gerade wenn es sich um ein Kleinkind handelt, noch von den Erwachsenen gelenkt werden muss.

Allerdings sollten sie sich auch nicht immer sofort zum Spielen dazusetzen: Wenn ihr Kind allein mit sich auskommt und mit seinen Beschäftigungen, lernt es anbei erhöhte Ausdauer und die Fähigkeit, auch kurze Zeit ohne Erwachsene auszukommen. Im Spiel spiegelt das Kind oft seine Umwelt wider: Nur was es erlebt, kann es aufgreifen, nachahmen oder nachgestalten. Ein Kind bleibt auch nur solange interessiert bei einem Spiel, als sich neue Varianten daran entdecken lassen. Wenn alle Möglichkeiten erschöpft sind, wird das Spiel einförmig und erweitert den Erfahrungsschatz nicht mehr. Nun braucht das Kind eine kleine Anregung: ein anderes Spielzeug oder eine neue, aufregende Erfahrung (z.B. eine Busfahrt, ein Spiel im Freien). Dies bildet dann wieder Stoff für ein neues Spiel. Es müssen also immer neue Impulse gesetzt werden, um das Spielen in Gang zu halten. Die Eltern können das tun, indem sie dem Kind neue Erlebnismöglichkeiten geben, ihm geeignete Spielsachen besorgen, ihm zeigen, was man alles damit anfangen kann, indem sie mitspielen, Anerkennung zeigen und damit die kindliche Aktivität verstärken. Früher war es weniger wichtig, gezielt Anregungen zu geben. Die Kinder hatten selbst Gelegenheit, vielfältige Eindrücke zu sammeln.

Die Familien waren größer, der Arbeitsplatz des Vaters befand sich oft in unmittelbarer Nähe der Wohnung, die Mutter war geschäftig in Haus und Hof tätig, der Kontakt zu Natur und den Tieren war enger. Heute wachsen viele Kinder zwischen Häuserblocks auf und sind darauf angewiesen, dass sich ihre Eltern die Zeit nehmen, sich mit ihnen zu beschäftigen. Wenn sich die Eltern im Spielen beteiligen, heißt das natürlich nicht, dass sie ständig intensiv anleiten oder lenken oder bestimmte Leistungen erwarten sollten. Wichtig ist auch, ein Kind nicht mit Spielzeug zu überschütten. Sie sollten Anreize zu einem spontanen, phantasiereichen Spiel geben
und günstige Bedingungen dafür bereitstellen – das ist die Anregung genug. Beobachten sie gelegentlich die Nutzungsdauer des einen oder anderen Spielzeugs oder schätzen Sie sie ein:

Sie stellen dabei sicher fest, dass diese Nutzungsdauer von Spielzeug zu Spielzeug sehr unterschiedlich ist. Wenn es zu viele Spielsachen gibt, die ihr Kind nicht oder fast nicht interessieren, hat es zu viele Spielsachen (hindern sie die Verwandtschaft an weiteren Geschenken dieser Art), oder es weiß zu wenig, wie es damit spielen kann. Leiten sie es dann dazu an.

Categories: 4-7 Jahre Tags: , ,

Einzelkind oder Geschwister ?

Oktober 23rd, 2009 No comments

Die meisten Eltern sind der Ansicht, ein Kind brauche Geschwister, Einzelkinder würden zwangsläufig verwöhnt, egoistisch und lebensuntüchtig. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass diese Meinung falsch ist. Einzelkinder haben sogar, wenn die notwendigen ausgleichenden Maßnahmen nicht übersehen werden, sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Sie besitzen im Durchschnitt eine bessere körperliche und psychische Verfassung als Geschwister: Sie sind häufig weniger ängstlich, können sich leichter anpassen, zeigen in vielen Bereichen höhere Leistungen und lassen sich nicht so schnell entmutigen. Ähnlich positiv schneiden übrigens auch Erstgeborene mit einem relativ großen Altersabstand zu den nachfolgenden Geschwistern ab. Das alles lässt sich durch die intensive Förderung und ungeteilte Zuwendung besonders in den ersten Lebensjahren erklären, ferner durch die günstige ökonomische Situation sowie das soziale und ökologische Umfeld der Familien von Einzelkindern. Starke Verwöhnung, Isolierung von anderen Kindern und zu hohe Erwartungen der Eltern können sich aber auch ungünstig auf das Einzelkind auswirken.

Ein so erzogenes Kind bleibt dann unselbstständig, ängstlich und neigt zu altklugem oder clownhaftem Auftreten. Es lässt sich aufgrund dieser Erkenntnisse also nicht pauschal beantworten, ob es für ein Kind besser ist, die ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern zu besitzen oder unter Geschwistern aufzuwachsen. Jede Situation bringt Vor- und Nachteile mit sich, die durch die Wahl der ergänzenden Spielfreunde und durch ihr eigenes Verhalten ausgeglichen werden können. Bei geschicktem Verhalten der Eltern finden Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, leichter zu einem sozialen Miteinander als Einzelkind, das gilt vor allem für das Verhalten innerhalb altersgemischter Kleingruppen. Sie beziehen aus der Gruppe einen starken Rückhalt und ein ausgeprägtes Wir – Gefühl. Sie entwickeln früh einen Sinn für Gerechtigkeit und lernen, Menschen mit ihren verschiedenen Fähigkeiten zu respektieren. Daher fällt es ihnen leichter als Einzelkindern, ungleiche Behandlung, wie sie überall in unserer sozialen Wirklichkeit anzutreffen ist, ohne allzu starke Frustrationen zu verarbeiten. Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, erleben sich je nach ihrer Stellung innerhalb der Geschwisterreihe verschieden. Es liegt überwiegend an den Eltern, wie ein Kind die Rolle des älteren oder jüngeren Bruders bzw. der älteren oder jüngeren Schwester erlebt und verarbeitet. Je mehr Kinder in einer Familie leben, desto sicherer fühlen sich das älteste und das jüngste Kind. Ihre Rollen sind genau definiert und werden ihnen von niemanden streitig gemacht.

Die mittleren Kinder dagegen haben mehr Schwierigkeiten, die mit der Anzahl der Kinder steigen, das sie sowohl mit älteren wie auch mit jüngeren Geschwistern Rivalitätskonflikte austragen müssen. Die Gefahr, dass das Nesthäkchen bevorzugt wird, ist bei diesen Familien größer als bei der Zwei-Kind-Familie. Dadurch fällt es dem Jüngsten später schwer, die notwendigen Pflichten zu akzeptieren und zu erfüllen. Die Älteren reagieren ihre Eifersucht untereinander b, nicht jedoch gegenüber dem Jüngsten.