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Fehlentwicklungen

Oktober 28th, 2009 No comments

Die Störungen entstehen natürlich nicht, wenn ihnen zwischendurch einmal ein kleiner Fehler in der Erziehung unterläuft. Bleibende Schäden werden weniger durch einmalige traumatische Eindrücke verursacht als durch viele kleine Beeinträchtigungen, die in die gleiche Richtung wirken, nach dem Motto: “Steter Tropfen höhlt den Stein”. Die Folgen werden oft erst nach Jahren sichtbar. Im zweiten und dritten Lebensjahr muss sich ein Kind mit großen neuen Aufgaben auseinandersetzen: mit dem Laufen, der Sauberkeitserziehung und der Sprache. In diesen Bereichen ist es jetzt besonders anfällig für schädigende und hindernde Einflüsse, da es sich gewissermaßen noch “in Ausbildung” befindet.

So begünstigt eine verfrühte und strenge Sauberkeitserziehung die Entstehung eines zwanghaften Charakters. Das heißt: Solche Kinder werden später typischerweise übertrieben pedantisch und sauber. Sie neigen auch als Erwachsene dazu, sich und ihre Umgebung übermäßig zu kontrollieren und verlieren jegliche Spontaneität. Sie sind von Zweifeln und Schuldgefühlen geplagt. Später kann das zu schweren Arbeits- und Kontaktsstörungen führen. Autoritätskonflikte und versteckte Aggressionen erschweren ein ungezwungenes soziales Verhalten. Angesichts der wesentlichen Erleichterung durch Waschmaschine, Einmalwindeln usw. gibt es heute keinen zwingenden Grund mehr, das Kind unter Druck zu setzen. Auswirkungen auf das ganze weitere Leben hat auch eine zu starke Einengung im motorischen Bereich. Es gibt Mütter und Väter, die ihre Kinder am liebsten immer im Babystadium halten würden: anschmiegsam und hilflos. Wenn das Kind die ersten selbstständigen Schritte macht, reagieren sie mit Angst, weil es sich dann aus ihrer Nähe entfernt. Den Bewegungs- und Forschungsdrang erleben solche Mütter als persönliche Gefahr, ihr Kind zu verlieren, bezeichnen ihre Besorgnis jedoch als Sorge für das Kind.

Dadurch kann die Entwicklung des Kindes stark beeinträchtigt werden: Es wird unselbstständig, ängstlich, eventuell sogar depressiv. Im zweiten Lebensjahr können erste Anzeichen für spätere Sprachstörungen vorliegen (Störungen, die durch Probleme der akustischen Wahrnehmung bedingt sind; Sprachstörungen aufgrund einer neurologischen Störung; Formen des Stotterns usw.) . Wenn ein Kind mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter spricht, ist das immer ein Warnsignal: Ein Kinderarzt und ein Kinderpsychologe sollten umgehend aufgesucht werden. Damit die Sprachentwicklung frei von psychogenen Störungen verläuft, muss sie möglichst unbeeinflusst von Konflikten bleiben und in einer Atmosphäre stattfinden, in der Sprechen Spaß macht. Ein Kind kann leicht die Lust am Sprechen verlieren, wenn seine Äußerungen und Bitten kein Gehör finden. Es spricht dann nur noch mit bestimmten Personen, oder es verstummt sogar von einem Tag auf den anderen völlig. Seine Reaktion drückt dann aus: Es ist nicht der Mühe wert, etwas mitzuteilen! Bei Kindern, die als Vier- oder Fünfjährige stottern, bleibt zwar das Bedürfnis, sich mitzuteilen, erhalten. Aber das Sprechen ist manchmal voller Widersprüche: Kommt man selbst genügend zu Wort, hört der andere geduldig zu? Darf man auch Aggressionen und Wut in Worten ausdrücken, oder muss man immer schön lieb sein und alles ohne Widerworte schlucken? Was darf gesagt werden? Was muss man verschweigen? Was darf man fragen und was nicht? Besonders Eltern, die im eigenen Redeschwall die anfangs noch zögerlichen Sprachäußerungen ihres Kindes überfahren, können es zum Stotterer machen.

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