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Eine sehr entscheidende Veränderung im Leben eines Kleinkindes ist sein Übergang zur aufrechten Haltung. Natürlich geschieht das nicht von heute auf morgen. Ihr Kind muss viele Anstrengungen bewältigen, bis es relativ mühelos stehen und gehen kann. Die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Stadien durchlaufen werden, ist von Kind zu Kind verschieden. Das eine verharrt auf einer Stufe vielleicht nur so kurz, dass man den Eindruck hat, es überspringe sie. Dafür verweilt es möglicherweise umso länger auf einer anderen.
Wenngleich die Dauer der einzelnen Entwicklungsschritte individuell sehr unterschiedlich ist, ist die Abfolge bei vielen Kindern gleich, da sie überwiegend durch Wachstums- und Reifungsfaktoren bestimmt wird. Wenn einzelne Phasen übersprungen werden, so kann es auch daran liegen, dass die für dieses Alter erforderlichen Entwicklungsreize fehlen. Umwelteinflüsse, auch die intensive Beschäftigung mit dem Kind, können beschleunigend auf die motorische Entwicklung wirken. Sie sind natürlich nur dann erfolgreich, wenn der Körper wie Knochen, Muskeln und Nervensystem die nötigen Vorraussetzungen entwickelt hat. Wenn dies nicht der Fall ist, kann eine vorzeitige Übung nur eine vorübergehende Leistungsverbesserung bewirken oder sogar schädlich sein. Andererseits genügt es auch im motorischen Bereich nicht, das Kleinkind einfach sich selbst zu überlassen.
Seine spontane Aktivität bedarf der regulierenden Anleitung durch den Erwachsenen, damit seine Fertigkeiten den bestmöglichen Stand erreichen. Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei die Motivation: ein Kind, das nicht durch Anerkennung und Zuspruch ermutigt wird, verwendet weniger Energie und Ausdauer auf den Erwerb von Fertigkeiten. Auch kann der Erwachsene dem Kind aus Selbstüberforderung resultierende Enttäuschungen ersparen
Manche Eltern sind unsicher, wie sie sich beim spielen verhalten sollen: Ist es besser, ein Kind beim Spielen nicht zu stören oder soll man sich lieber dazusetzen und mit ihm spielen? Sie befürchten, dass sie ihr Kind vielleicht verwöhnen oder es abhängig von sich machen. Diese Angst ist unbegründet. Ohne Unterstützung und Anleitung durch Erwachsene kann ein Kind kaum richtig spielen lernen. Das Spiel hat zwei sich ergänzende Seiten: In ihm drückt sich die spontane Aktivität des Kindes aus, die aber, gerade wenn es sich um ein Kleinkind handelt, noch von den Erwachsenen gelenkt werden muss.
Allerdings sollten sie sich auch nicht immer sofort zum Spielen dazusetzen: Wenn ihr Kind allein mit sich auskommt und mit seinen Beschäftigungen, lernt es anbei erhöhte Ausdauer und die Fähigkeit, auch kurze Zeit ohne Erwachsene auszukommen. Im Spiel spiegelt das Kind oft seine Umwelt wider: Nur was es erlebt, kann es aufgreifen, nachahmen oder nachgestalten. Ein Kind bleibt auch nur solange interessiert bei einem Spiel, als sich neue Varianten daran entdecken lassen. Wenn alle Möglichkeiten erschöpft sind, wird das Spiel einförmig und erweitert den Erfahrungsschatz nicht mehr. Nun braucht das Kind eine kleine Anregung: ein anderes Spielzeug oder eine neue, aufregende Erfahrung (z.B. eine Busfahrt, ein Spiel im Freien). Dies bildet dann wieder Stoff für ein neues Spiel. Es müssen also immer neue Impulse gesetzt werden, um das Spielen in Gang zu halten. Die Eltern können das tun, indem sie dem Kind neue Erlebnismöglichkeiten geben, ihm geeignete Spielsachen besorgen, ihm zeigen, was man alles damit anfangen kann, indem sie mitspielen, Anerkennung zeigen und damit die kindliche Aktivität verstärken. Früher war es weniger wichtig, gezielt Anregungen zu geben. Die Kinder hatten selbst Gelegenheit, vielfältige Eindrücke zu sammeln.
Die Familien waren größer, der Arbeitsplatz des Vaters befand sich oft in unmittelbarer Nähe der Wohnung, die Mutter war geschäftig in Haus und Hof tätig, der Kontakt zu Natur und den Tieren war enger. Heute wachsen viele Kinder zwischen Häuserblocks auf und sind darauf angewiesen, dass sich ihre Eltern die Zeit nehmen, sich mit ihnen zu beschäftigen. Wenn sich die Eltern im Spielen beteiligen, heißt das natürlich nicht, dass sie ständig intensiv anleiten oder lenken oder bestimmte Leistungen erwarten sollten. Wichtig ist auch, ein Kind nicht mit Spielzeug zu überschütten. Sie sollten Anreize zu einem spontanen, phantasiereichen Spiel geben
und günstige Bedingungen dafür bereitstellen – das ist die Anregung genug. Beobachten sie gelegentlich die Nutzungsdauer des einen oder anderen Spielzeugs oder schätzen Sie sie ein:
Sie stellen dabei sicher fest, dass diese Nutzungsdauer von Spielzeug zu Spielzeug sehr unterschiedlich ist. Wenn es zu viele Spielsachen gibt, die ihr Kind nicht oder fast nicht interessieren, hat es zu viele Spielsachen (hindern sie die Verwandtschaft an weiteren Geschenken dieser Art), oder es weiß zu wenig, wie es damit spielen kann. Leiten sie es dann dazu an.
Die meisten Eltern sind der Meinung, dass sie alle Kinder gleich gern haben und auch alle gleich behandeln. Würden sie sich ganz genau beobachten, so könnten sie wahrscheinlich erkennen, dass sie doch kleine Unterschiede machen. Bei einem Kind sind sie vielleicht mal strenger, bei dem anderen nachsichtiger, ein Kind ist mehr der Liebling der Mutter, das andere des Vaters. Die Kinder spüren natürlich die ungleiche Behandlung und reagieren darauf. Dann ziehen die Erwachsenen unter Umständen den Schluss daraus, das sei eine besondere Eigenart des (rebellierenden!) Kindes. Um allen Kindern gleichmäßig gerecht zu werden, brauchen Eltern ein waches Einfühlungsvermögen und Verständnis. Sie müssen die bestimmten Positionen innerhalb der Geschwisterreihe berücksichtigen und sich in die spezielle Lage jedes Kindes einzufühlen versuchen. Wenn sie gezielt für jedes Kind besondere Wünsche bei bestimmten Gelegenheiten erfüllen, kann die gelegentliche Bevorzugung des einen oder anderen Kindes auf Dauer ausgeglichen werden. Nur selten wird das Erstgeborene das nachkommende Kind problemlos aufnehmen.
Es muss jetzt plötzlich die bisher ganz auf sich konzentrierte Liebe der Eltern mit einem Bruder oder einer Schwester teilen, Mutter und Vater können ihm nicht mehr so viel Zeit widmen. Es ist also verständlich, dass das Kind auf diese Entthronung eifersüchtig und vielleicht sogar aggressiv reagiert. Diese Eifersucht kann man nicht nur mit hohen Worten bekämpfen. Es genügt auch nicht, dass sich beispielsweise der Vater nun intensiver um das älteste Kind kümmert, weil es sich von der Mutter abgeschoben fühlt. Appelle an Einsicht und Vernunft nützen wenig – auch erwachsene können in Gefühlsdingen oft schwer “vernünftig” handeln. Was sollten sie also tun? Lassen sie ihrem Kind Zeit, sich an den Neuankömmling zu gewöhnen. Bestätigen sie es von nun an besonders in seinen Fähigkeiten, die es aufgrund seines Altersvorsprungs bereits erworben hat, loben sie es noch ein bisschen mehr! Verlangen sie aber nicht durchgehend eine “reife” oder “vernünftige” Haltung und machen sie es nicht zum Babysitter für das jüngere Kind. Geben sie ihm viele altersgemäße Betätigungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Es darf z.B. mit anderen Kindern spielen, seine Freunde mit nach Hause bringen usw. Mit dem jüngeren Kind spielt es überwiegend nur dann, wenn es Lust dazu hat. Keinesfalls soll es gezwungen werden, sein Spielzeug an das jüngere abzugeben. Bei einem Altersunterschied von eindreiviertel bis dreieinhalb Jahren sind Konkurrenz und Eifersucht stark ausgeprägt.
Das jüngste Kind wird später meist kontaktfreudig, heiter und selbstsicher sein. Wenn es zu sehr verwöhnt wird. Neigt es dazu, kindlich zu bleiben, auf den selbstverständlichen Zuspruch durch andere zu warten und Scheu vor Verantwortung und Eigeninitiative zu haben. Bitten sie ihr Umgebung darum, das Nesthäkchen nicht zu sehr zu verwöhnen und bei ihm nicht auch noch die Unarten niedlich zu finden. Schützen sie ihr Jüngstes aber vor Herabsetzung durch seine älteren Geschwister. Wenn es sich zu oft unterlegen fühlen muss, wird es keine Selbstsicherheit entwickeln. Es überdeckt seine Minderwertigkeitsgefühle dann später mit Angeben und leichtsinnigen Handlungen. Unterstützen sie die Kontakte mit gleichaltrigen Freunden. Das mittlere Kind kann aufgrund seiner Mittelstellung keine besonderen Vorteile aus einer Rolle beziehen. Es ist weder das überlegene ältere Kind noch das “süße” jüngste.